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INDONESIENREISE 2012

Seit zwei Wochen sind wir nun zurück aus Indonesien. Der Jet-Lag hat nachgelassen, aber die Seele - die ja bekanntlich zu Fuß geht – ist bemüht, sich hier in Deutschland wieder heimisch zu fühlen. Sechs intensive Wochen in Indonesien wollen verdaut sein. (Nb. Wem die Lektüre zu lang ist, der kann sich auch nur die Links mit den Fotos anschauen, sofern ihm die kurzen Bildkommentare reichen)

Dienstag, 18. September, 12:00 Uhr Abflug von Düsseldorf mit ETIHAD AIR via Abu Dhabi nach Jakarta. ETIHAD AIR hat ordentliche Flugzeuge und einen guten Service, verlangt auf dieser Route jedoch viel Geduld mit langen Transit-Zeiten in Abu Dhabi: Wir durften sechs Stunden auf unseren Anschlussflug warten. Aber - Bismillah! - was nimmt man nicht alles für einen preiswerten Flug in Kauf! Ankunft in Jakarta jedenfalls am darauffolgenden Tag um 14:15 Uhr Ortszeit. Zwei Stunden Zeit für Auschecken, Passkontrolle und erneutes Einchecken bei „Lion-Air“, einer Inlandfluglinie. Dann Weiterflug von Jakarta nach Surabaya, wo uns kurz nach 18:00 Uhr Khae und Lian am Flughafen begrüßen konnten.

Fünf Tage Surabaya - Fotos

Ein frohes Wiedersehen mit unseren alten Freunden aus Aachener Zeiten in der Sittarderstraße. Da ihre Kinder alle aus dem Haus sind, ist reichlich Platz und Zeit für Gäste. (In meinem Reisebericht von 2010 habe ich schon etwas ausführlicher über Khae & Lian und ihre Familie berichtet.) Wie schon 2010 waren Khae und Lian wieder ganz wunder-bare Gastgeber. Und wie vor zwei Jahren war alles schon prima vorbereitet, damit wir uns möglichst problemlos akklimatisieren konnten. Aircon im Schlafzimmer sorgt bei Außen-temperaturen von fast 30° für einen erholsamen Schlaf. Nach zwei Tagen waren denn auch die unvermeidlichen Jetlag-Probleme überwunden (Surabaya hat sechs Stunden Zeitvorsprung zu Deutschland.) Indonesisch als Umgangssprache funktionierte auch wieder. Nur meine Darmflora brauchte etwas länger, bis sie sich mit den neuen Umständen abfand, zumal ich - kaum in Indonesien gelandet - sofort wieder mit Hingabe die geliebten Kretek-Zigaretten schmauchte. Khae hatte schon im Voraus meine Lieblingsmarke Gudang Garam besorgt.



Khae musste zwar noch zwei Tage in seine Firma am Stadtrand von Surabaya. Aber dann zum Wochenende hatte er sich einen zusätzlichen freien Tag genommen und chauffierte uns Freitag-Morgen in seinem Toyota Innova souverän durch das Verkehrschaos von Surabaya zum Ferienhaus von Lians Familie in Trawas, in den kühlen Bergen von Ostjava. Am Samstag machten wir eine schöne Fahrt nach Pacet in das Gebirge nordwestlich des schlafenden Vulkans Gunung Arjuna und trafen uns da wie zufällig mit Lians Bruder Sun und seiner Frau Ino zum Essen in einem schön gelegenen Bergrestaurant.

Das „zufällige“ Treffen war aber beileibe nicht zufällig: Lian hatte ihre Handy-Kontakte spielen lassen. Die immer aktiven Black-Berries und Smartphones machen solche spontanen Verabredungen möglich. Man ist immer online und erreichbar, und ohne diese Dinger geht nichts mehr im Indonesien von 2012. Indonesien ist pausenlos online… Wir profitierten ein wenig davon: Die fünf Tage mit Lian und Khae vergingen wie im Fluge und Dienstag, dem 25.09. hieß es Abschied nehmen von Surabaya.

Vier Tage Manado - Fotos

Die nächste Station unserer Reise hieß Manado, die Hauptstadt von Nord-Sulawesi (Nordcelebes). Eigentlich wollten wir gemeinsam mit Khae und Lian dorthin reisen und ein paar gemeinsame Tage dort verbringen. Doch Khae war schlussendlich für die entsprechende Zeit in seiner Firma leider unabkömmlich – eine Spezialmaschine, frisch geliefert aus der Schweiz, sollte in Betrieb genommen werden – unsere gemeinsamen Reisepläne mussten gecancelt werden. Schade, schade…

Manado liegt am äußersten Zipfel von Nord-Sulawesi, drei Flugstunden von Surabaya oder Jakarta entfernt. Die Philippinen sind nicht mehr sehr weit. Manado liegt also nicht einfach auf dem Touri-Mainstream. Man muss dorthin wollen. Taucher schätzen die Unterwasserwelt in der Nähe von Manado – das Meeresgebiet um die Insel Bunaken ist einer der großen Marine-Nationalparks Indonesiens. Auch das Hochland um den Vulkan Lokon, das Land der Minahasa, zählt zu den touristischen Attraktionen.



Aber Yuni wünschte sich relaxte Tage ohne Touri-Stress, wollte die Stadt und die Annehmlichkeiten eines Five-Star-Hotels genießen. (Nach 35 Ehejahren war Wider-stand nicht angesagt.) Wir hatten das Aryaduta-Hotel in Meeres-nähe gebucht, zwölf Stockwerke hoch, unser Zimmer in der 8. Etage. Ein Super-Swimmingpool auf Level 6 vermittelte dem Schwimmer das Gefühl, in den ozeanen Horizont hinein zu schwimmen, wenn da nicht ein rostiger Baukran gewesen wäre, den man vergessen hatte, nach der Investorenpleite wegzuschaffen. Der Kran war auf der Internetseite des Hotels nicht sichtbar.

Und noch etwas war bei Buchung des Hotels nicht vorhersehbar: Gleichzeitig tagende Konferenzen! Zwei Tage konnten wir „unseren“ fünf Sterne-Pool ungestört genießen, bis eine regionale Adventistenkonferrenz mit ihrer Tagung begann. Die Tagungsräume lagen auf dem gleichen Level 6 wie der Swimmingpool, und in jeder Konferenzpause füllte sich das Pool-Areal mit fünf Dutzend korrekt gekleideter Vertretern der „Gereja Adventis Indonesia“, so dass man sich in Badehose als dezidiert „underdressed“ empfand. Von den fünf Sternen war mindestens einer zu viel… ich habe es dem Hotel ins Gästebuch geschrieben.

Im Unterschied zu Großstädten wie Surabaya, Medan oder gar Jakarta, geht es in Manado noch einigermaßen gemütlich zu - kleinere Staus inklusive. Man kann die Stadt zu Fuß besichtigen. Die Bürgersteige sind fast sauber und begehbar, was in anderen indonesischen Städten eher selten anzutreffen ist. Jugendliche sitzen am Abend auf den Treppen des Supermarkts in der Stadtmitte und spielen Gitarre. Manados Lieder sind seit jeher Hits in der indonesischen Pop-Musik. Manado ist auch bekannt für seine eigene Musiktradition und sein Instrument: den Kolintang, ein vierstimmiges Xylophon-Orchester, das bei keinem Fest fehlen darf.

Obwohl auch in Manado die Muezzins von den Minaretten lautstark ihr „Allahu Akbar“ verkünden, ist die Stadt im Unterschied zu anderen indonesischen Städten, eine christlich dominierte Stadt. Viele stattliche Kirchen schmücken das Stadtbild – die röm. kath. Kathedrale z. B. hat eine Kuppel, die dem Petersdom nachempfunden ist und die baptistische Pentekosta-Gemeinde 100 m weiter hat eine Konkurrenzkuppel, die wohl die Londoner St. Pauls Cathedral zur Vorlage hatte. Gleich daneben ein vielstöckiger Glaspalast, in dem die Immanuel-Freikirche beheimatet ist, ein All-inklusive-Unter-nehmen mit Restaurant und „Muckibude“, das wohl amerikanische Mega-Churches zum Vorbild hat. Das ehemalige aus der holländischen Kolonialepoche geprägte Flair der Stadt weicht zunehmend einem moderneren Outfit.   

Vier Tage Bogor - Fotos

Am Samstag, dem 29. September brachte uns ein dreistündiger Flug von Manado nach Jakarta, wo wir schon von Magda und ihrem Sohn Aldrin erwartet wurden. Ein herzliches Wiedersehen nach einigen Jahren. Auch Magda ist eine alte Freundin aus gemeinsamen Aachener Zeiten. Mit ihr und ihrem verstorbenen Mann Ronald verbinden sich besonders viele Erinnerungen an unsere Jung-Familienjahre. Ihr Sohn Aldrin und auch sein jüngerer Bruder Arvid sind „Öcher Jongens“, d.h. sie sind in Aachen geboren. (Der dritte kleine Sohn Aribert war kurz nach seinem Vater Ronald auch plötzlich gestorben.) Mit bewundernswerter Energie hat sie nach Ronalds Tod jahrelang dafür gerackert, ihren beiden Söhnen ein Studium zu ermöglichen. Sie gab Deutsch - kurse für indonesische Abiturienten, die in Deutschland studieren wollten. Und sie hat es geschafft: Beide Söhne haben heute einen guten Job, haben ihre Familien gegründet und sind immer bereit, ihrer Mutter - falls nötig - unter die Arme zu greifen.

Aldrin ist ja so alt wie Sebastian und hat so manche Tage mit unseren Kindern verbracht. Inzwischen ist er ein recht erfolgreicher Manager bei einer Singapur-Spedition, verheiratet mit seiner schönen Kollegin Mira und Vater eines quirligen Jungen namens „JC“= James Collins.



Und just an diesem Samstag hat Aldrin Geburtstag und hat uns zum Essen in einem angesagten Chinarestaurant in einer der Supermalls von Jakarta eingeladen. Dort treffen wir auch seinen Bruder Arvid und dessen junge Frau Mega mit ihrem kleinen Sohn Kaydon. Auch Aldrins Schwiegermutter ist aus Surabaya angereist: sie wird die nächste Woche ihren Enkel JC in ihre Obhut nehmen, da Aldrin und Mira für eine Woche nach Seoul verreisen, wo Aldrin geschäftlich zu tun hat. Vorher aber am frühen Abend chauffiert er Mama Magda und uns ins 65 km entfernte Bogor. Dort in Magdas Haus werden wir die nächsten Tage verbringen.

Bogor hat ein angenehmeres Klima als Jakarta und war deshalb schon zu holländischen Kolonial-zeiten ein beliebter Wohnort, hieß damals „Buitenzorg“ (Sorgenfrei). Auch wir genießen die Tage in Magdas Haus in Bogor, das noch ihr verstorbener Mann Ronald gebaut hatte. Wir besuchten Ronalds Grab am Tag unserer Abreise. Vorher jedoch hatte Magda die gemeinsamen Tage schon gut verplant.

Magda ist eine fromme Frau, und wir besuchten mit ihr die Sonntagsmesse in der Kathedrale von Bogor. Wie schon früher erzählt, auch hier: Gottesdienste voll mit jungen Leuten. Nicht weit von der Kathedrale die prächtige Präsidentenvilla „Istana Bogor“, die indonesische Präsidenten von ihren Vorgängern, den holländischen General-Gouverneuren, übernommen haben. Gegenüber der weltberühmte botanische Garten von Bogor, 1817 von Sir Stamford Raffles in Auftrag gegeben und vom deutschen Botaniker Prof. Caspar Reinwardt angelegt. Wir hatten den Park schon auf einer früheren Reise besucht.

Am Abend - zurück in Magdas Haus - hörten wir ganz in der Nähe den Klang eines balinesischen Gamelan-Orchesters. Es war Vollmond, und die Balinesen von Bogor – es gibt dort offensichtlich eine ansehnliche Gemeinde - kamen mit ihren Familien in feierlichen Prozessionen an Magdas Haus vorbei, um ihre kunstvoll gefertigten Opfergaben zum nahe gelegenen Hinduheiligtum zu bringen. Wunderschön! Es sind solche Nächte, die den Zauber Indonesiens ausmachen … Erst weit nach Mitternacht war die acara zu Ende.

Für Montag war ein Ausflug in eine neue botanische Attraktion vorgesehen, der Besuch des Parks „MEKARSARI“, nicht weit von Bogor, in dem auf einem weiten Areal alle möglichen Obstbäume Indonesiens angepflanzt wurden. Für diesen Ausflug hatte Magdas Freundin Endah ihr Auto und ihre Chauffeurdienste zur Verfügung gestellt. Endah war vor einigen Jahren in Eschweiler unser Gast und freute sich sehr über das Wiedersehen mit uns. Mit von der Partie Pastor Ridwan, auch ein ehe--maliger Gast unseres Hauses, der für die Organisation des Ausflugs zuständig war und uns einen erlebnisreichen Tag bescherte. Wir konnten auch erstmals die Spezialitäten der sundanesichen Küche verkosten. Sie ist halal (koscher), - Westjava ist islamisch geprägt - aber herzhafter als die Küche von Zentraljava z.B. in Jogya.

Das „Arca Domas –Treffen“

Für Dienstag hatte Arvid sich frei genommen, um uns nach Arca Domas (sprich“Artcha Domas“) hoch in den Bergen östlich von Bogor zu fahren. Ich hatte mir gewünscht, diesen historisch bemerkenswerten Ort zu besuchen. Bei meinen Internet-Recherchen zum Schiffsuntergang der „Van Imhoff“ vor der Insel Nias, bei dem 1942 über 400 internierte Deutsche ertranken, war ich auf einen interessanten Bericht gestoßen, den ein Herr Herwig Zahorka verfasst hatte. Darin war von „Arca Domas“, einem deutschen Soldatenfriedhof in der Umgebung von Bogor die Rede, den die Brüder Emil und Theodor Helfferich, - Pfälzer Landsleute aus Neustadt /W. - 1926 angelegt hatten. Emil Helfferich, damals im kolonialen „Nederlands Indie“ ein erfolgreicher Kaufmann und deutscher Konsul, wollte den im ersten Weltkrieg umgekommenen Seeleuten des Ostasien-geschwaders der deutschen Marine ein Denkmal setzen und erwarb das Gelände Arca Domas in den Bergen von Westjava. (Alles Historische zu diesem Ort: Herwig Zahorka: Arca Domas – ein deutscher Soldatenfriedhof in Indonesien)



Magda, durch meinen schon aus Deutschland geäußerten Besichtigungswunsch, selbst neugierig geworden, hatte sich schon vorher nach dem Weg dahin erkundigt, sodass Arvid diesen abgelegenen Ort ohne große Schwierigkeiten ansteuern konnte. Die schmale Bergstraße, die durch die Dörfer der Teepflücker führte, war eine Herausforderung für jeden Autofahrer. Aber der Jakarta-gewohnte Pilot Arvid meisterte auch dies souverän. Wir fanden den Friedhof, wie beschrieben, hoch in den Bergen unter den riesigen Waringin-Bäumen am Rande ausgedehnter Teeplantagen. Und wie beschrieben: Ein beeindruckender Ort - auch als ehemalige Hindukultstätte unschwer vorstellbar.

Wir wollten uns schon auf den Rückweg machen, als gerade ein Auto auf dem Parkplatz vorfuhr. Eine Deutsch sprechende Indonesierin stellte sich vor, Gartenbauarchitektin, von der deutschen Botschaft beauftragt, den Friedhof vor dem drohenden Verfall zu bewahren. Der starke Regen, erklärte sie uns, schwemme das Erdreich von den Wurzeln der Bäume weg und bewirke das langsame Absterben der gewaltigen Waringin-Bäume. Die ersten Anzeichen seien schon sichtbar. Außerdem müsse bis zum 18. November ein neuer Parkplatz angelegt werden, dem Termin, an dem die jährliche Totengedenkfeier der deutschen Botschaft vorgesehen war.



Als hätten sie auf das Stichwort gewartet, entstiegen wenige Minuten später einem weiteren Auto zwei deutsche Offiziere, die sich uns -zunächst englisch parlierend und dann mit Vergnügen Deutsch sprechend - als Angehörige der Militärmission der deutschen Botschaft in Jakarta vorstellten, die an diesem Dienstag einen Ortstermin mit der Gartenbau-Architektin vereinbart hatten. Ein mitgereister älterer Herr, stellte sich als Herwig Zahorka vor und staunte dann nicht schlecht, als ich ihn als einen mir vertrauten Autor aus dem Internet begrüßte. Natürlich freute auch ich mich über diese unerwartete Begegnung, zumal wir ursprünglich schon am Montag Arca Domas besuchen wollten und dann eine Begegnung wohl nicht stattgefunden hätte… es gibt schon verwunderliche Zufälle im Leben.

Am Nachmittag besuchten wir noch das buddhistisch-hinduistisch-chinesische Heiligtum Vihara in einem malerischen Flusstal, an dem elf Konfessionen ihre religiösen Rituale pflegen. Ein gutes Beispiel für den traditionellen javanischen Synkretismus, der allen möglichen religiösen und kulturellen Strömungen eine Lebensmöglichkeit bietet, der natürlich aber auch auf der Hassliste der islamischen Fundamentalisten steht, die derartiger religiöser Praxis aggressiv das Lebensrecht absprechen. Wir genossen die reich geschmückten Tempel, die bunten Blumen und Pflanzen der gepflegten Anlage.

Bevor wir nach Bogor zurückkehrten, besuchten wir auch noch Magdas Schwester Klara in Cipanas, einem beliebten Ausflugsort der Leute aus Jakarta und Bogor in landschaftlich reizvoller Umgebung. Die zweispurige Straße kann den Verkehr nicht mehr bewältigen, sodass an entsprechenden Tagen und Zeiten mit Kilometer langen Staus zu rechnen ist. Wir „durften“ ein wenig davon erleben. Aber man hört weder Schimpfen, noch protestierendes Hupen: Den Dingen, die man nicht ändern kann, begegnet man eben mit Geduld und Gleichmut. Das ist authentisches indonesisches Lebensgefühl.

Zwei Tage Bandung - Fotos

Am Mittwoch-Mittag (3. 10.) mussten wir uns von Magda und ihrem gastfreundlichen Haus verabschieden. Ein Travelservice holte uns ab und brachte uns in das etwa 200 km entfernte Bandung. Nach ca. vier Stunden waren wir da. Taruma, ein weiterer Freund aus alten Aachener Zeiten, hatte uns eingeladen, ihn in Bandung zu besuchen. Als Student war er der Nachmieter von Khae und Lians Wohnung in der Sittarder Straße. Seine Tochter Maya wurde 1980 in Aachen geboren. Sie und ihre Mama Lia profitierten damals sehr von Yunis Erfahrungen als junge indonesische Mama im kalten Deutschland. Gerne hätten wir die „kleine“ Maya – inzwischen 32 Jahre alt - getroffen, aber sie war beruflich in Jakarta unabkömmlich. Ihren jüngeren Bruder konnten wir nur kurz begrüßen. Auch er ein sehr beschäftigter Architekt



Papa Taruma ist eigentlich ein gelernter Flugzeugingenieur mit einem Diplom der TH Aachen, - der Titel Dipl. Ing. vor seinem Namen ist über dem Eingang seines Hauses zu lesen - übernahm aber die Textilfabrik seines Vaters in Bandung und hat sich seit ein paar Jahren auf Spezialstoffe für die Schuhindustrie spezialisiert, unter anderem auch für deutsche Firmen. Kenntnisse der deutschen Sprache und Verhältnisse sind da natürlich sehr hilfreich. Auf seiner letzten Geschäftsreise in Deutschland vor zwei Jahren war er auch unser Gast in Eschweiler. Nun revangierte er sich und hatte für uns im Vier-Sterne-Hotel „Aston Primera“ ein komfortables Zimmer gebucht. Wir trafen dann ihn und Frau Lia zum Abendessen und hatten uns danach viel aus alten Zeiten zu erzählen.

Am darauffolgenden Donnerstag machten wir mit Taruma eine Stadtrundfahrt in Bandung. Das historische Bandung, eine Gründung der Holländer im 19. Jahrhundert, heute die drittgrößte Stadt Indonesiens, war in den 1920- und 1930er Jahren die damals modernste Stadt Indonesiens und bevorzugter Wohnsitz der betuchteren Kolonialeuropäer, nicht nur wegen des angenehmen Klimas, sondern auch weil es als das „Paris van Java“ galt. So ein bisschen davon konnte man das auf der Fahrt durch das ehemalige Zentrum noch sehen, obwohl sich das moderne Bandung inzwischen in andere Stadtteile verlagert hat. Aber die indonesische Regierung hat die Häuser und Gebäude aus den kolonialen Zeiten unter Denkmalschutz gestellt, renoviert sie und erhält dadurch der Stadt ihr besonderes historisches Image. Aber auch in den moderneren Einkaufszentren spürt man immer noch etwas vom Flair dieser Stadt. Textilien aus Bandung sind immer noch hip und in, sodass an Wochenenden die Stadt völlig zugeparkt ist von Besuchern und Käufern aus dem nicht so fernen Jakarta.

Nach einem Mittagessen im Hause Taruma, wurden wir für die nächste Nacht in das HOTEL SARI-ATER in Lembang/Ciater gebracht, hoch in den Bergen über Bandung, ein Resort-Hotel mit heißen Quellen, die als Thermalbäder von den Hotelgästen genutzt werden können. Das Bad im ca 40° heißen Thermalwasser am frühen Abend machte uns so müde, dass wir auf ein Abendessen verzichteten, stattdessen schnell ins Bett gingen und erst zehn Stunden später wieder aufwachten. Nach dem Frühstück war aber noch genügend Zeit, um uns in der weitläufigen Anlage umzusehen. Gegen Mittag wurden wir von Tarumas Chauffeur abgeholt und zu einem Treffpunkt nach Bandung zurückgebracht, wo wir uns von Taruma und Lia verabschieden konnten.

Unser Gastgeber hatte schon einen Travel-Service geordert, der uns nach Jakarta in ein Hotel in der Nähe des Flughafens brachte. Der Weg dahin führte mitten durch das Stadtzentrum von Jakarta, eine dynamisch wachsende Megacity, die kaum wiederzuerkennen ist, wenn man sie zuletzt vor über zwanzig Jahren besucht hat. Wir waren froh, einigermaßen flott - ohne die für Jakarta berüchtigten Megastaus - in unser Hotel „Amaris“ im Flughafenbereich zu kommen. Der morgige Samstag sollte uns nach Nias bringen.

Zwei Wochen Nias - Fotos (6.-22.Oktober)

Ja, Sapperlot, es funktioniert: Man kann an einem einzigen Tag von Java, Bali oder Sulawesi nach Nias gelangen. Ich bin noch immer erstaunt, wenn ich an Nias- Reisen vergangener Jahre denke. In Medan muss man zwar umsteigen, aber man kann das mit einer Transit-Buchung bei ein und derselben Fluglinie erledigen. Und wir schafften es, um 13:00 Uhr in Jakarta in den Flieger zu steigen und um 16:30 Uhr in Gunung Sitoli zu landen. Nur unsere beiden Koffer hatten leider den Quick-Transit in Medan nicht mehr geschafft und wurden erst am anderen Morgen mit der ersten Maschine nachgeliefert – großes „Sorry“ der „Wings-Airline“ inklusive.

Auch bekamen wir zuvor zum ersten Mal Schwierigkeiten mit einer Internet-Buchung, die am Eincheck-Counter in Jakarta nicht konfirmiert werden konnte. Gott sei Dank konnten Ersatztickets ausgestellt werden, sodass wir doch planmäßig in Nias ankamen, wo uns Yunis Bruder Ama Rini und Sohn Tian schon erwarteten. Zwei Stunden später waren wir in Lahewa im Kreise von Yunis Großfamilie. Die Tränen der Wiedersehensfreude waren bald geweint, und es gab natürlich viel zu erzählen. Und natürlich immer wieder Bedauern, dass auch dieses Mal Christof, Sebastian und Nati nicht mitgekommen waren. ..



Aus Yuni und mir wurden in den nächsten zwei Wochen wieder „Ina Kristof“ und „Ama Kristof“ – „Mutter Kristof“ und „Vater Kristof“ – das verlangt die niassische Etikette und Ina Kristof vergaß in den folgenden zwei Wochen, dass sie auch Deutsch konnte und parlierte auch mit mir auf Niassisch als hätten wir nie Deutsch miteinander gesprochen. Ich wunderte mich auch über mich, wie selbst-verständlich ich wieder „li niha“ („Sprache der Menschen“) sprach - die Niasser wunderten sich übrigens auch. Indonesisch beschränkt sich in Nias ja auf den öffentlichen Gebrauch, auch wenn die Niasser von klein auf auch Indonesisch sprechen lernen. In Lehrer - und Beamtenfamilien wird Indonesisch zunehmend auch die Alltagssprache. Der Einfluss von TV und Internet wird aber immer stärker spürbar, wo eben nur Indonesisch zu hören ist. Aber auch der Anstieg der Schülerzahlen in den höheren Schulen spielt eine Rolle im verstärkten Gebrauch der indonesischen Nationalsprache.

Aber etwas war 2012 ganz neu in Yunis ehemaligem Elternhaus: Es gab ein schönes Gästezimmer im neu errichteten ersten Stock und darin installiert Aircondition! Das war Ama Rinis Überraschungs-Coup! Yuni war happy! Vorbei die Schwierigkeit bei 30° Nachttemperatur und 98% Luftfeuchtigkeit gut schlafen zu sollen. Schwierigkeiten machte nur öfter die staatliche Elektrizitätsversorgung: Immer wieder gab es zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten Stromausfälle, sodass der private Stromgenerator in Betrieb genommen werden musste, eine recht teure Variante, die aber für unseren Besuch selbstverständlich zu Verfügung stand. Dabei ist die Nutzung von elektrischer Energie doch schon sehr selbstverständlich in den Haushalten der größeren Wohnorte in Nias. Licht, TV, Kühlschränke und eben Aircon-Geräte sind recht verbreitet. Ina Rini hat auch eine elektrische Waschmaschine, ein einfaches, den Bedürfnissen angepasstes Modell der chinesischen Marke LG, das wäscht und trockenschleudert. Auch Yuni war davon angetan, wo doch in dem feuchtheißen Klima mehrmals täglich die Wäsche gewechselt und natürlich auch gewaschen werden musste.

Familiengeschichten

Zwei Wochen sind lang genug, um die Höhen und Tiefen des normalen Lebens mitzubekommen. Das war auch ganz beabsichtigt. Keine größeren Sightseeing-Touren, sondern genügend Gelegenheit mit der Familie in Lahewa zu leben und zu erzählen. Wenn man beieinander sitzt, sich sieht und redet, ist es eben anders, als wenn man nur telefoniert. Wir haben viel gelacht und viel erzählt, und jeden Tag gab es Spezialitäten zu essen, die es so für uns nur in Lahewa gibt. Vor allem ganz frisch gefangenen Fisch, Gemüse und Obstsorten, die wir in Deutschland nicht bekommen. Auch wurden wieder insgesamt vier (kleinere) Schweine geschlachtet. Die Geschwister Ama Rini und Ina Risna und auch der Cousin Ama Fini in Teluk Dalam ließen sich von dieser Tradition nicht abbringen. Ohne Schwein geht in Nias nichts. Das hat kulturelle Hintergründe, die zu erläutern ich mir hier erspare. Auf alle Fälle wären jetzt alle – uns inklusive – nicht ganz glücklich, wenn kein Schwein geschlachtet worden wäre. Der Umkehrschluss ist absolut zutreffend: Schwein gehabt …

Neben diesen guten und leckeren Nachrichten gibt es aber auch andere: Nach dem Tod des Schwagers Ama Risna vor zwei Jahren, mussten wir leider auch dieses Mal ein frisches Grab besuchen. Ama Agus, gerade 60 Jahre alt, ein Lieblingscousin von Yuni, war im August ganz plötzlich gestorben. Aber es war gut, dem lieben Toten so die letzte Ehre erweisen zu können.



Ama Rini (52), Yunis jüngerer Bruder, ist leider nicht gesund. Durch sein neues Amt als Camat /Landrat des Landkreises Lahewa hat er viel Stress. Während unseres Besuchs musste ihm seine Schwester Ina Risna , gelernte Krankenschwester, zweimal eine Infusion anlegen, weil es ihm akut so schlecht ging. Wir haben den Verdacht, dass koronare Herzbeschwerden der schlimme Hintergrund sind. Herzschwäche scheint ein gefährliches Familienerbe der Zalukhu–Männer zu sein. Der ältere Bruder Ama Fati war vor sieben Jahren an plötzlichem Herztod verstorben. Cousin Ama Fini musste im vergangenen Jahr sehr plötzlich am Herzen operiert werden, weil Lebensgefahr bestand. Deshalb haben wir darauf gedrungen, dass Ama Rini sich sobald als möglich in Penang/Malaysia in einer Spezialklinik untersuchen lässt, in der auch Ama Fini untersucht und operiert wurde. (Inzwischen hörten wir, dass er Mitte November mit Ama Fini nach Penang fliegen will, um sich untersuchen zu lassen. Hoffentlich kann ihm geholfen werden.)

Ina Risna (49), Yunis jüngere Schwester, leitet nach dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren ihr Haus mit beachtlicher Energie. Nach ihrem Dienst als Krankenschwester im örtlichen Gesundheitszentrum, kommen jeden Tag viele Patienten zu ihr nachhause, um sich privat von ihr verarzten zu lassen. Derzeit ist sie ein Jahr lang „Teilzeitstudentin“ und muss an zwei Tagen die Woche zu einer Weiterbildung nach G.Sitoli, um sich die Lizenz für ihre „Privatklinik“ zu erhalten. Dafür kriegt sie nach bestandener Prüfung einen Bachelor-Hut. Die Aussicht amüsiert sie schon jetzt. Aber das zweitägige „Studentenleben“ ohne familiäre und dienstliche Pflichten scheint ihr gut
zu tun.


Ihre Kinder Risna und Hanes leben nicht mehr zuhause. Nur Nesthäkchen Yesti (12) ist noch bei Mama. Ihre ältere Schwester Risna (18) will Ernährungsfachfrau werden und studiert seit einigen Monaten in Medan. (Wir werden sie auf der Rückreise in Medan besuchen.) Ihr Bruder Hanes (15) wollte die gymnasiale Oberstufe nicht in der schlecht aufgestellten SMA in Lahewa absolvieren, sondern ist in ein kath. Gymnasialinternat in Silbolga übersiedelt, das von Schulfratres geleitet wird. Wir haben Hanes dort besucht und begegneten einem selbstbewussten Jungen von 15 Jahren, der ein guter Schüler ist und auch noch einiges vorhat. Er möchte eventuell in Deutschland studieren. Dass da wohl noch ein bisschen Wasser den Rhein hinunterfließen wird, werde ich ihm erklären, wenn er genug Deutsch kann – er hat sich als Wahlfach Deutsch ausgesucht. Ich habe ihm erst einmal ein indonesisch- deutsches Wörterbuch geschenkt.

Besuch in Sibolga

Dieser Besuch in Sibolga war übrigens ein gelungenes Unternehmen. Mit von der Partie waren außer Yuni und mir, Ina Risna, Rini und Ina Ifo, deren Sohn Ifo ebenfalls im Internat in Sibolga ist. Vier Frauen, ein Mann und gute Laune pur. Rini, die eine tolle Managerin ist, hatte alles vorbereitet: Donnerstagabend 20:00 Uhr bestiegen wir in G. Sitoli das Fährschiff und waren früh morgens um 6:00 Uhr in Sibolga.



Dort wartete schon ein Motor-Becak auf uns. Der Fahrer, Ama Ida, ist ein Niasser aus dem Gulö-Clan, der Familie des verstorbenen Ama Risna. Er war per Handy schon verständigt worden und stand mit einem niassischen Kollegen den ganzen Tag zu unserer Verfügung – für die beiden „Piloten“ auch ein guter Geschäftstag. Wir mieteten zwei Hotelzimmer im Zentrum von Sibolga, wo wir frühstücken und uns frisch machen konnten.

Der Besuch im Internat war erst ab Mittag nach dem Unterrichtsende möglich, sodass am Morgen genügend Zeit war, sich in Sibolga ein wenig umzusehen. Die Frauen nutzten die Zeit, um einschlägige Geschäfte zu visitieren. Ich wollte Br. Martinian treffen, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Auf dem Weg zum neu erbauten Kapuzinerkloster Joaneum musste ich feststellen, dass Sibolga sich sehr verändert hatte. Der Hafen mit seiner Geschäftigkeit war ja in eine südlichere Bucht verlegt worden, aus dem alten lebhaften Zentrum war ein sehr ruhiges Stadtviertel geworden. Das schien aber offensichtlich kein Nachteil zu sein, denn es entstanden neue Hotels und Betriebe. Die Straßen waren sauber. Es gibt eine neue Aktion in Indonesien: Keep your city clean & green! Sibolga scheint davon zu profitieren.

Ich hatte Glück: Br. Martinian war vor Ort und wir freuten uns, einander getroffen zu haben und erzählten zwei Stunden aus alten und neueren Zeiten. Bei seinem nächsten Deutschlandurlaub versprach er, uns in Eschweiler zu besuchen. Das soll in 2013 sein - Insyallah!
Der Nachmittag gehörte Hanes und seinen zwei Freunden aus dem Internat. Ein gemeinsames Essen in einem Straßenrestaurant mit Padangküche ließ dem Hunger keine Chance. Danach war noch Zeit für Mütter und „Kinder“ zum Shopping in verschiedenen Geschäften. Sportklamotten usw. wurden geordert. Danach mussten die jungen Leute wieder zurück in ihr Internat, und wir bestiegen die Fähre zurück nach Gunung Sitoli. Nach einer etwas ungemütlichen Nacht auf dem Schiff waren wir am Samstagmorgen wieder in Nias und zum Mittagessen wieder in Lahewa.

Teluk Dalam

Zu berichten wäre noch von einem anderen Ausflug, der uns einige Tage später nach Teluk Dalam in den Süden von Nias führte. Yunis Cousin Ama Fini hatte uns eingeladen. ( Mehr über ihn und seine Frau Ina Fini hier in 2010) Mit von der Partie waren außer uns Tian als Chauffeur, auch Rini, Ina Agus und zu Tians Freude auch zwei Mädchen aus der weiteren Verwandtschaft, die noch nie in Südnias waren und endlich einmal Bawömataluo und den Strand von Sorake sehen wollten mit Tian als beliebtem Chauffeur und Tour-Guide.

Von Ama Finis Herzoperation hatte ich oben schon berichtet. Er hat sich deswegen pensionieren lassen und widmet sich nun stressfrei seinen Hobbies: Dem Bücherschreiben über die niassische Kultur und seit neuestem der Hühnerzucht. Das tut ihm offensichtlich gut. Wir verbrachten einen schönen Nachmittag bei und mit ihm.



Wir hatten ein ausführliches Gespräch über sein jüngstes Buch und die Wurzeln der niassischen Kultur. Seine kleinen Bücher und Hefte sind vor allem für die Schule geschrieben, um den Kindern die Sagen und Märchen ihrer eigenen Insel zu vermitteln, die ihnen vielfach gar nicht mehr bekannt sind. Mit der Christianisierung der Insel verlor sich auch vielfach die Kenntnis der eigenen kulturellen Traditionen. In den vergangenen Jahren jedoch wuchs unter der jüngeren intellektuellen Generation ein gesteigertes Interesse an der eigenen Kultur. Eine jüngst veröffentlichte Studie deutscher Experten über die DNA der niassischen Bevölkerung hat gezeigt, dass die Niasser ursprünglich aus Yünnan(Südchina) oder Taiwan stammen, also nicht - wie zunächst vermutet - aus Birma/Hinterindien - das belegt zumindest der DNA –Vergleich. Aber mit dem Aufzeigen der genetischen Verwandtschaft ist die Besonderheit der niassischen Sprache und Kultur nicht erklärt, die auf eine etwa 3000 Jahre alte Entwicklung zurückblickt und durch vielfache Einflüsse geprägt wurde. Der Forschung bleibt noch einiges zu tun.
 
Viel zu tun hat auch seine Frau Ina Fini, die inzwischen zur Regierungsdirektorin für das gesamte Schulwesen von Südnias berufen wurde. Eine riesige Aufgabe, die sie aber in souveräner Manier zu meistern scheint. Sie kann mit Belastungen sehr gut umgehen. Sie liebt ihre Aufgabe und empfindet sie nicht als Stress, sagt sie. Und wie man sie so erlebt, ist das durchaus glaubhaft. Beinahe hätten wir sie nicht mehr getroffen, da sich Besprechungen und Verhandlungen mit den Ministerial-behörden in Medan länger hinzogen als ursprünglich geplant. Aber dann war sie doch noch rechtzeitig zurück in Teluk Dalam, um mit uns zu Mittag zu essen und ein wenig von sich zu erzählen. In Medan hat sie kurz ihre drei Töchter getroffen, die dort studieren, bzw. zur Schule gehen. Ama und Ina Fini vertrauen darauf, dass ihre drei Kinder ihren Weg machen werden, ganz ähnlich wie sie das selbst einst gemacht haben. Wir werden die drei „Küken“ auf unserer Rückreise in Medan besuchen. Ama und Ina Fini wollen uns vielleicht im kommenden Jahr in Deutschland besuchen. Schön , wenn es klappen würde.

Abschied von Lahewa

Uns bleiben nach diesem Besuch in Teluk Dalam nur noch ein paar Tage in Lahewa. Die Regenzeit meldet sich mit täglichen Regengüssen. Aber am Samstagmorgen scheint die Sonne, und Yuni & ich wollen noch eine Wanderung am Strand von Soroma‘asi unternehmen, der nur vier Kilometer von Lahewa entfernt ist. Christof und Sebastian können sich sicher an diesen Strand erinnern, den wir 1993 zusammen besucht haben. Er ist immer noch so unberührt wie damals, das Urbild eines tropischen Strandes, das blaue Meer, der helle Sand, umsäumt von Kokospalmen. Auch die Süßwasserquelle gibt es noch, inzwischen mit einem Betoneinfassung versehen, sodass sie gut als Badestelle verwendbar ist. Wir genießen die Stunden am weiten indischen Ozean. Aber gegen 11:00 Uhr wird es Zeit umzukehren, die Sonne ist zu heiß. Yuni und Ama Ersan, unser Begleiter, haben eine große Plastiktüte voller glänzender Kauri-Muscheln gesammelt - die schönsten sollen mit nach Deutschland.

Nachdem am Sonntagabend die gesamte Familie sich noch einmal zum Essen versammelt hatte, hieß es am Montagmorgen, dem 22. Oktober, Abschied nehmen von Lahewa. Die Heimreise hatte begonnen - ein paar Abschiedstränen inklusive.

Medan - Fotos

Erstes Zwischenziel war Medan. Wir wollten unsere Nichte Risna, und Ama Finis Töchter Vinny, Chelsea und Corry treffen, die dort studieren. Rini hatte sich uns angeschlossen und freute sich auf ein paar Urlaubstage in Medan. Yunis Cousin Ama Fini hatte hinter unserem Rücken schon alles geregelt: In Medan wurden wir von den drei Mädchen mit großen Hallo am Flughafen abgeholt. Die Eltern haben den Töchtern ein Auto zur Verfügung gestellt, um dem täglichen Transportbedarf der Mädchen etwas entgegenzukommen.



Vinny (19) und Chelsea (18) studieren Medizin an verschiedenen Universitäten und Corry (15) besucht noch die SMA. Vinny hatte just an diesem Montagnachmittag einen Prüfungstermin und wurde schnell an ihrer Uni abgesetzt. Schwester Chelsea kutschierte uns ins Hotel Santika, ein properes Hotel der Buisiness-Klasse. Dort waren für die Mädchen und uns zwei Zimmer im 12. Stock gebucht. Drei Stunden später war eine glückliche Vinny wieder bei uns: Sie hatte ihre Anatomieprüfung erfolgreich absolviert und wir konnten starten, um Risna abzuholen. Sie wohnt in einem Asrama/Internat in Lubu Pakam, ca. 20 km außerhalb von Medan.

Wegen des Feierabendverkehrs brauchten wir fast drei Stunden, bis wir endlich die Schule erreichten, wo Risna schon lange auf uns wartete. Eigentlich dürfen die Mädchen im ersten Studienjahr abends das Asrama nicht verlassen. Aber uns zuliebe machte man eine Ausnahme. Große Freude bei allen Beteiligten. Gemeinsames Abendessen und dann ein langer lustiger Abend auf dem Hotelzimmer, bis sich die Mädchen erinnerten, dass sie morgen zur Schule mussten. Risna sollte schon um sieben Uhr früh wieder in ihrer Schule sein. Für sie und Vinny, die Chauffeurin, war schon um 5:00 Uhr die Nacht vorbei, für Chelsea und Corry um 7:00 Uhr. Aber kein Anzeichen von Reue wegen der kurzen Nacht, nur die Freude uns getroffen zu haben. Einige Stunden später mussten auch wir uns verabschieden. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit Vinny und Rini im Hotel brachten uns die beiden zum Flughafen. Um 12:00 Uhr ging unser Flug nach Jakarta - Bye, bye Medan.

Jakarta - Fotos

Für Jakarta waren zwei Tage eingeplant, um genügend Zeit zu haben, uns mit der Familie Ama Töfa zu treffen. Er ist der Sohn von Ama Ame, Yunis ältestem Cousin. Ama Töfa holt uns ab. Wir brauchen wegen der Staus fast zwei Stunden bis zu seinem Haus und wir haben reichlich Zeit, uns über Nias und die Zalukhu-Familie auszutauschen.

Ama Töfa ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der schon lange in Jakarta lebt, aber häufig nach Nias kommt. Im nächsten Jahr möchte er mit der Familie nach Lahewa übersiedeln. Er ist politisch in der Partei GERINDRA aktiv und rechnet sich Chancen aus, nach der nächsten Wahl im Parlament von Nordnias Karriere zu machen. Das ist ihm durchaus zuzutrauen, er hat genügend Kontakte und die nötige Energie.Immer wieder hatte er uns eingeladen, ihn zu besuchen. In 2012 hat es endlich geklappt. Er hat ein großes Haus in einem ruhigeren Viertel von Bekasi , einem der riesigen Stadtteile von Groß-Jakarta. Ina Töfa, eine sympathische Javanerin aus Jogya, spricht fließend Niassisch - wir staunen nicht schlecht. Aber auch ohne Niassisch stimmt die Chemie sofort zwischen Yuni und Ina Töfa.



Der älteste Sohn Töfa (18) studiert IT, sein Bruder Bintang (16) und die Tochter Dita(14) gehen noch zur Schule. Töfa und Bintang spielen ganz hervorragend Gitarre. Ein komplettes Equipment steht im Wohnzimmer bereit. Bintang ist Gitarrist einer Gruppe, die sich dem Jazz verschrieben hat. Aber sie interessieren sich natürlich auch für Sebastians Musik. Ich habe die Lieder seiner letzten CD auf meinem USB-Stick und kann sie auf ihrem Laptop abspeichern: German Reggae für Bekasi .

Es hat sich herumgesprochen – wozu gibt es Handys?! – dass Yuni in Jakarta ist, und am Abend kommt Besuch: Ina Grace und Ama Töfas jüngste Schwester Fati. Beide kennen wir aus Lahewa nur als kleine Mädchen vor über dreißig Jahren. Inzwischen wohnen sie mit ihren Familien in Jakarta. Sie freuen sich riesig, uns zu treffen. Nach dem Abendessen ziehen sich die Frauen in die Wohnküche zurück. Es gibt offensichtlich so viel zu erzählen, dass sie erst 2:00 Uhr morgens merken wie spät es ist. Aber alle haben sich einen Tag frei genommen und genießen das Zusammensein. Überraschend kam dann am späten Nachmittag für einen kurzen Besuch noch Kristina Daeli, Yunis engste Schulfreundin aus dem Internat in Gunung Sitoli. Etwa 40 Jahre hatten sich die beiden nicht mehr gesehen … es wurde ausgiebig in der Erinnerungskiste gekramt.

Anderen Tags geht es gemeinsam in eines der großen Einkaufszentren von Bekasi, um oleh-oleh (kleine Geschenke) für unsere Lieben in Deutschland zu kaufen. Dann sind auch die letzten Vorbereitungen für die Heimreise getroffen. Die lange Reise durch halb Indonesien geht zu Ende und wir freuen uns auch auf zuhause. Donnerstagmittag bringt uns ein Travel-Service zum internationalen Flughafen von Jakarta, der weit außerhalb der Stadt liegt.

Wegen der Sitzplatzreservierung ist es immer gut etwas früher am Schalter zu sein. Abends gegen 19:00 Uhr startet unser Flieger in Richtung Heimat. Wir haben einen angenehmen Flug mit einem zweistündigen Zwischenstopp in Abu Dhabi. Aber dann stehen wir siebzehn Stunden später Freitagmorgen um 8:00 Uhr fröstelnd auf dem Bahnsteig in Düsseldorf und warten auf den Regionalexpress nach Eschweiler. Ein kalter, trüber Herbstmorgen, der fühlbar klar macht, dass Deutschland nicht in den Tropen liegt . Aber es ist unser bekanntes Zuhause. Wir werden uns sicher wieder daran gewöhnen…
                                                                                                   
Eschweiler, 10. November 2012