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MERDEKA ATAU MATI  -   FREIHEIT ODER TOD

 Indonesiens Weg in die  Unabhängigkeit von 1945  bis 1950

 

merdeka_by_instantclickHeute im Jahre 2010 ist Indonesien und besonders Bali  ein beliebtes Urlaubsziel des europäischen Tourismus, und viele Urlauber lassen sich bezaubern von dem tropischen Inselreich und seiner Kultur. Auch haben die meisten Besucher gelesen, dass Indonesien bis 1945 eine holländische Kolonie war. Ihre  Zeugnisse kann man heute  im Lande noch überall besichtigen  – nostalgische Erinnerungen einer vergangenen Epoche erfolgreicher Kolonialherrschaft. Wenige jedoch wissen, dass sich dieses Land in einer fünf Jahre dauernden - zeitweise sehr blutigen - Auseinandersetzung seine Unabhängigkeit  aus dieser Kolonialherrschaft   erkämpfen musste. „Merdeka atau Mati“ –„Freiheit oder Tod“  war dieParole.

Nederlands Indie unter japanischer Besatzung

 Die  Unabhängkeitsbewegung  „Indonesia Merdeka“ (Freies Indonesien) begann schon in den 1920-er Jahren  und hatte in dem jungen Ingenieur Sukarno - dem  späteren Präsidenten -  ihren charismatischen Führer gefunden. Verschiedenen Versuchen und Aufständen war kein Erfolg beschieden– die Anführer waren verurteilt und verbannt, bis der 2. Weltkrieg ausbrach und Japan seinen Eroberungskrieg in Ostasien begann. Erst dadurch entstand schlagartig  die Chance für den historischen Umbruch.

 Japans Eroberung  Südostasiens  im Jahre 1941 und die schnelle militärische Besetzung der wichtigsten  indonesischen Inseln  Anfang 1942, bedeutete de facto das Ende der 350-jährigen Kolonialherrschaft der Niederlande in Indonesien. Aber im Unterschied zu Burma und den Philippinen, wurde den Indonesiern im Jahr 1943 von den Japanern nicht die formelle Unabhängigkeit  gewährt. Auch wurden im November 1943 keine indonesischen Vertreter zu der Greater East Asia Conference nach Tokio entsandt. Offensichtlich war man sich in Tokio nicht sicher, ob man in einem unabhängigen Indonesien einen zuverlässigen Verbündeten habe würde. Denn der direkte Zugriff auf die Ölquellen und Bodenschätze Indonesiens war  von lebenswichtiger Bedeutung für die Versorgung des japanischen Großreichs. Waren die  Japaner ursprünglich von der Bevölkerung noch als Befreier vom kolonialen Joch begrüßt worden, so zeigte sich sehr bald, dass man sich eine noch brutalere Herrschaft eingehandelt hatte.  Als der Krieg aber immer aussichtloser wurde, kündigte Japan im September 1944 an, dass nicht nur Java, sondern das gesamte Inselreich unabhängig werden würde.

 Sukarno und Hatta, die führenden Politiker der  Unabhängkeitsbewegung „Indonesia Merdeka“ (Freies Indonesien),  reklamierten das als Erfolg ihrer Strategie, die von ihren Gegnern als Kollaboration mit dem faschistischen Japan angesehen wurde.  Im März 1945 wurde die Kommission für die Vorbereitung der indonesischen Unabhängigkeit (BPKI) organisiert, und die Delegierten kamen nicht nur  aus Java, sondern auch aus Sumatra und dem östlichen Teil des Inselreiches, um  über die Verfassung des neuen Staates entscheiden. Das Komitee beanspruchte für die neue Nation Indonesia als Staatsgebiet nicht nur Niederländisch-Indien, sondern auch Portugiesisch-Timor, Britisch Nordborneo und die Malaiische Halbinsel. (Dies war auch die Grundlage für die Groß-Indonesien-Politik („Indonesia Raya“), die von Sukarno in den 1950er und 1960er Jahren verfolgt wurde.)

 Das Ringen um die neue Staatsform

200px-Coat_of_Arms_of_Indonesia_Garuda_PancasilaAm 1. Juni 1945, hielt Sukarno eine Rede, in der er seine Staatsphilosophie  Pancasila, die fünf Grundprinzipien des indonesischen Volkes, darlegte. Die fünf Prinzipien sind der Glaube an Gott, Humanität, nationale Einheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit, die bis heute die Verfassungsgrundlage Indonesiens bilden. Einig war man sich auch, dass der Präsident des neuen Staates eine starke verfassungsmäßige Position erhalten sollte. Sukarno lehnte eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Muster als ungeeignet für Indonesien ab, trat aber – im Gegensatz zu Hatta - für einen säkularen Einheitsstaat ein, kollidierte  damit aber heftig mit muslimischen Vorstellungen. Überhaupt scheint der ideologische  Streit unter den verschiedenen Protagonisten der nationalen Revolution über das Konzept des zukünftigen Staates eine der schwersten Herausforderungen der Unabhängkeitsbewegung gewesen zu sein. Die Führer der muslimischen Kampforganisationen  erwarteten von der Unabhängigkeit einen islamischen Staat. Das aber wollte sowohl die starke säkular-nationalistische Fraktion, wie auch die sozial-revolutionäre Linke auf keinen Fall zugestehen.

 In einer Vereinbarung, die als Piagam Jakarta (Jakarta Charta) bekannt wurde und als Präambel zur Verfassung gedacht war, verständigten sich Nationalisten und Muslime auf das Konzept von einem zukünftigen Einheitsstaat, der auf dem Glauben an den einen Gott beruhe, dessen Präsident ein Muslim sein müsse und in dem für Muslime die Scharia (Syariat Islam-islamisches Recht) verpflichtend sei. Speziell diese Forderung fand jedoch nicht die allgemeine Zustimmung. Wenige Stunden vor Verkündung der neuen Verfassung, wurde auf Vermittlung Mohammed Hattas die Präambel angenommen, aber der Passus die Scharia und die Religion des Präsidenten betreffend, aus der Charta  gestrichen. Die Anhänger der Scharia, die sich mit der Streichung nicht abfinden wollten, lehnten enttäuscht die Charta und den neuen Staat ab und sammelten sich später in der aufständischen Darul-Islam-Bewegung. (Bis heute berufen sich fundamentalistisch-islamische Gruppierungen immer wieder auf die unrevidierte Version der Piagam Jakarta, um Indonesien als islamischen Staat zu postulieren.)

 Das National-Komitee wählte Sukarno, der den säkularen Einheits-Staat wollte, zum Präsidenten und Hatta, der ein föderales System bevorzugte, zum Vizepräsidenten.  Das bedeutete aber das weitere Nebeneinander von zwei sehr unterschiedlichen Führern und Vorstellungen, das sich bis 1956 fortzusetzen würde, bis Hatta die Vorstellungen Sukarnos von einer „gelenkten Demokratie“ und der Zusammenarbeit mit den Kommunisten nicht mehr teilen wollte und seinen Rücktritt erklärte.

 Die Proklamation der Unabhängigkeit 1945

proklamasi_indonesia_1Am 15. August 1945 kapitulierte Japan. Die Führung der radikalen Jugendorganisation Pemuda drängte Sukarno und Hatta zu sofortigem Handeln. Mit  Unterstützung  einiger Offiziere der japanischen Marine und Armee, die mit der indonesischen Sache sympathisierten, erklärten Sukarno und Hatta am 17. August 1945 in der ehemaligen Residenz in Jakarta  formal  die Unabhängigkeit des Landes, hissten die rot-weiße Nationalflagge und sangen die neue Nationalhymne Indonesia Raya.  Am folgenden Tag wurde die neue Verfassung verkündet. Die Unabhängigkeit war verkündet, aber die Zukunft der proklamierten Republik Indonesia war höchst ungewiss. Die Holländer betrachteten die Unabhängigkeits-Erklärung als eine illegale Aktion linker Desperados und waren entschlossen, ihre Kolonie wieder in Besitz zu nehmen. Sie brandmarkten Sukarno und Hatta als Kollaborateure der japanischen Besatzer und die Republik Indonesien als eine Schöpfung des japanischen Faschismus.

Aber den von Nazi-Deutschland  verwüsteten Nachkriegs-Niederlanden fehlten die Mittel, um ihren  Anspruch  in eigener Regie durchzusetzen. Sie benötigten die Hilfe der westlichen Alliierten. Der Archipel wurde zunächst der Zuständigkeit des britischen Admirals Earl Louis Mountbatten, des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Südostasien, unterstellt. Weil Indonesien weit entfernt  war von den wichtigen Kriegsschauplätzen,  konnten die alliierten Truppen, vor allem aus dem britischen Commonwealth,  frühestens Ende September auf Java landen. Deshalb wurden die auf den Inseln Indonesiens stationierten japanischen Truppen angewiesen, bis dahin Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten.

 Die Lage nach der japanischen Kapitulation  (1945)

Die Rolle der Japaner in diesem frühen Stadium der nationalen Revolution war ambivalent. Einerseits mussten sie auf Grund der Kapitulation die Befehle der Alliierten ausführen und die republikanischen Aktivitäten eindämmen; auf der anderen Seite wurden japanische Befehlshaber von bewaffneten Anhängern der Republik gezwungen,  ihre Waffen den lokalen republikanischen Revolutions-Kommandos  zu übergeben.  Diese waren zum großen Teil ehemalige Angehörige der von den Japanern aufgestellten Freiwilligen-Armee PETA und im Umgang mit diesen Waffen vertraut. So entstanden mit japanischer Hilfe nolens volens  die Streitkräfte der jungen Republik, die spätere TNI, die den militärischen Arm des Anti-niederländischen Widerstands nach dem Kriege bildeten und aus dem sich die starke Position des indonesischen Militärs  bis heute erklärt. Das Militär betrachtet sich neben den politischen Parteien als eigenständigen Mitbegründer und Garanten der Republik. (Auch der spätere Präsident Suharto gehörte zu der Generation, die ihre militärische Grundausbildung in der PETA gemacht hatte.)

Holland in seiner Indonesienspolitik direkt nach Kriegende, war ganz auf die Alliierten England und USA angewiesen. Aber auch die Alliierten hatten 1945 keine einheitliche politische Linie bezüglich der Zukunft Indonesiens, abgesehen von der vagen Hoffnung, dass man die Republik Indonesien und die Niederlande dazu bringen könnte, eine Verhandlungslösung herbeizuführen. Das unmittelbare Ziel der Allierten war, Truppen auf die Inseln zu bringen, die Japaner zu entwaffnen und zu repatriieren und die ca.100.000 Europäer aus den Internierungslagern  zu befreien.

 Die meisten Indonesier glaubten jedoch, dass die Landung der Alliierten die Wiederherstellung der holländischen Kolonialherrschaft vorbereiten sollte, zumal schon mit der ersten Welle, auch holländische Truppenteile in Sumatra an Land gingen. So konsolidierten in den Wochen zwischen dem 17. August, - der  Erklärung der Unabhängigkeit - und der Landung der Alliierten Mitte Oktober die republikanischen Führer in aller Eile ihre politische Macht. Weil für landesweite Wahlen keine Zeit war, ernannte sich die  BPKI (Kommission für die Vorbereitung der indonesischen Unabhängigkeit) selbst zum  Zentralen Nationalkomitee Indonesiens (KNIP) mit 135 Mitgliedern. Die KNIP ernannte Gouverneure für jede der acht Provinzen, in die man den Archipel geteilt hatte.

Die Situation auf lokaler Ebene war äußerst komplex. Die aus den japanischen Internierungslagern befreiten Holländer wollten so schnell wie möglich zurück in ihre Häuser und Geschäfte, die in den letzten drei Jahren neue Bewohner und Betriebsleiter hatten. Das führte zu direkter Konfrontation mit den lokalen Machthabern und Revolutionskommitees. Für die Holländer war der Krieg nur eine schmerzliche Unterbrechung der bestehenden Rechtsordnung von Nederlands Indie. Das sahen die Anhänger der neuen Republik Indonesia ganz anders.

 Auch wenn das einfache Volk sagte: „Drei Jahre Japan waren schlimmer als 300 Jahre Holland“, wollte kaum jemand die holländische Kolonialherrschaft zurück. Es war unübersehbar, dass die einheimische Bevölkerung eine grundlegende Veränderung im Lande wollte  und überall diejenigen lokalen Eliten  stürzte und bedrohte, die mit Holländern oder Japanern gemeinsame Sache gemacht hatten. Eine zentrale Rolle bei diesen Aktivitäten spielten die jungen Aktivisten der Pemuda Nasional.  Aber wo Recht und Ordnung zerbrach, war oft schwer zu unterscheiden zwischen revolutionärer politischer Aktivität und gewöhnlicher Bandenkriminalität. Alte soziale  Spaltungen - zwischen liberalen und streng religiösen Muslimen, sprachlichen und ethnischen Gruppen sowie sozialen Klassen in ländlichen und städtischen Gebieten – traten wieder auf. Republikanische Führer auf lokaler Ebene kämpften ums Überleben, einerseits gegen niederländische Angriffe, aber auch gegen separatistische Tendenzen  und  gegen Aufstände linker sozialrevolutionärer Gruppen. Die Lage war sehr verworren und verschärfte sich von Tag zu Tag.

 Der bewaffnete Kampf um Unabhängigkeit

 

Am 28. Oktober 1945, kam es zu  blutigen Zusammenstößen der Pemuda und anderer bewaffneter Gruppen, als britische Truppen die Hafenstadt Surabaya in Ost-Java besetzten. Daraus wurde eine offene militärische Auseinandersetzung mit über 100.000 beteiligten Kämpfern. Nach einem schweren militärischen Desaster für die Briten, in dem auch ihr Kommandeur, AWS Mallaby und Hunderte von Soldaten getötet wurden, reagierten die britischen Truppen  am 24. November 1945 mit einem  harten Gegenschlag und bombardierten die Stadt mehrere Tage lang. Die „Schlacht von Surabaya“ kostete Tausende das Leben und war die blutigste einzelne Aktion im Kampf für die Unabhängigkeit. Aber sie zwang die Alliierten, den Willen zur  Unabhängigkeit  der Bevölkerung ernst zu nehmen und mit der Republik zu Vereinbarungen zu kommen.

 Als Verhandlungspartner akzeptierte man Sutan Syahrir, einen der führenden intellektuellen Köpfe der Indonesischen Revolution, der immer die Zusammenarbeit mit den japanischen Kriegs-Regime verweigert hatte. Dank der Bemühungen von Syahrir wurde der neuen Republik eine parlamentarische Regierungsform gegeben. Sutan Syahrir wurde zum ersten Premierminister ernannt und leitete drei Kabinette von kurzer Dauer, bis er im Juni 1947 von seinem Stellvertreter, dem radikal sozialistischen Amir Syarifuddin verdrängt wurde.

Inzwischen aber erlebte Indonesien in den Monaten zwischen November 1945 bis zum November 1946 eine äußerst blutige Auseinandersetzung um die Macht in den verschiedenen Regionen des Inselreiches. „Merdeka atau mati!“ – „Freiheit oder Tod“ war die Parole der Verteidiger der Republik. Die wieder aktivierten Einheiten der  Kolonialarmee (KNIL) versuchten mit äußerster Härte die Durchsetzung holländischer Interessen. Doch bald wurde klar, dass dies so nicht gelingen konnte, zumal die Engländer und die USA nicht bereit waren einen Krieg für holländische Kolonialinteressen zu führen.  Eine politische Lösung schien dringend erforderlich. Die Holländer waren sich ihrer heiklen Position  nach der japanischen Kapitulation bewusst und versuchten mit der Republik über eine Art von Commenwealth-Beziehung zwischen der Republik Indonesien und den Niederlanden zu verhandeln.

 Die Verhandlungen führten zu dem britisch vermittelten Linggajati-Abkommen vom 12. November 1946. Die Vereinbarung sah die niederländische Anerkennung der Republik Indonesien für Java und Sumatra vor, eingebunden in eine Niederländisch-indonesische Union unter der niederländischen Krone (bestehend aus den Niederlanden, der Republik und dem östlichen Archipel). Das gesamte Inselreich sollte ein lockerer Staatenbund werden, die Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien (RUSI), mit der Republik Indonesia ( Java und Sumatra), Süd-Kalimantan, und dem „Großen Osten“ bestehend aus Sulawesi, Maluku, die Kleinen Sunda Inseln und West-Neuguinea. Das RUSI-Konzept war von den Niederlanden als Übergangslösung bis zur geplanten Restauration der Kolonialherrschaft gedacht, und wegen dieses Verdachts verweigerte auch  die KNIP  bis März 1947 die Ratifizierung des Vertrags. Dann aber wurde auf alliierten Druck hin das Abkommen doch am 25. Mai 1947 unterzeichnet.

 Hollands  Krieg gegen die Republik  (1947)

Zwei Monate später schon, am 21. Juli 1947 reklamierten die Holländer Verstöße gegen das Linggajati-Abkommen und begannen einen - schon länger - militärisch vorbereiteten Generalangriff gegen die Republik, den sie verniedlichend "Polizeiaktion" nannten: Niederländische Truppen vertrieben die Repräsentanten der Republik aus Sumatra und Ost- und West-Java und beschränkten das Hoheitsgebiet der Republik  Indonesien  auf die Region Yogyakarta in Zentral-Java.

 Die Indonesier protestierten heftig. Die internationale Reaktion auf das  Vorgehen der Niederländer war äußerst negativ.  Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) wurde ein Good Offices Ausschuss eingerichtet, um Verhandlungen zu ermöglichen. Diese Aktion führte zum sog. Renville-Abkommen (benannt nach dem Kriegsschiff  USS Renville, auf dem die Verhandlungen stattfanden), das von beiden Seiten am 17.Januar 1948 ratifiziert wurde. Es erkannte eine vorübergehende Kontrolle der Niederländer in den gerade besetzten Gebieten an, bis zu einem Referendum über deren politische Zugehörigkeit. Das Renville-Abkommen markierte den politischen Tiefpunkt der indonesischen Nationalrevolution.

 Darul-Islam und die „Madiun-Affäre“

 Aber nicht nur die Holländer waren eine Bedrohung für die junge Republik. Im Jahre 1948 errichtete in West-Java ein islamischer Mystiker namens Kartosuwirjo, mit Unterstützung der Kyai (islamische Religionsführer) und anderer fundamentalistischer Moslemgruppen eine  abtrünnige Regierung, die sich Indonesisch Islamischer Staat (Negara Islam Indonesia), besser bekannt als Darul Islam (Arabisch: Dar-al-Islam, Haus oder Reich des Islam) nannte, eine politische Bewegung, die sich der Errichtung eines muslimischen Gottesstaates verpflichtet hatte. Kartosuwirjo und seine Anhänger steuerten in der Folgezeit eine ganze Reihe von lokalen Aufständen in West-Java, Sumatra und Sulawesi bis er 1962 gefangen genommen und hingerichtet wurde. (Aus diesem Umfeld bildete sich später die Jemaah Islamiya, die unter anderem für das Bali-Attentat im Jahre 2002 verantwortlich war.)

Noch schlimmer jedoch für den Bestand der Republik waren die Aktionen der wieder erstandenen  PKI (Partai Komunis Indonesia) von Musso, einem der Führer der Partei aus dem Aufstand der 1920er Jahre, der aus dem Exil in Moskau zurückgekehrt war, und die von Tan Malaka geführten trotzkistischen Formationen. Die Linken protestierten gegen den  für sie inakzeptablen  Renville-Kompromiss der Republik gegenüber der alten Kolonialmacht und forderten auch die sofortige soziale Revolution als Klassenkampf. Das war jedoch nicht die politische Linie der Republik Sukarnos. Für sie hatte der Kampf um die nationale Souveranität absoluten Vorrang. In einem geheimen Treffen boten die USA der Republik ihre Hilfe an, sofern diese einer drohenden kommunstischen Revolution Einhalt geböte. Die Gelegenheit dazu erbot sich wenige Wochen später.

 Lokale Zusammenstöße zwischen den republikanischen Streitkräften(TNI) und militärischen Einheiten der  PKI brachen im September 1948 in Surakarta / Zentraljava aus. Im Verlauf dieser Kämpfe zogen sich die kommunistischen Gruppen darauf nach Madiun in Ostjava zurück, riefen eine indonesische Soviet-Republik aus und forderten angeblich die Massen zum Sturz der Regierung Hatta auf. Diese Revolte, die sog. „Madiun-Affäre“, wurde jedoch schnell von republikanischen Truppen unter General Sudirman niedergeschlagen. Musso und auch der ehemalige Ministerpräsident Amir Syarifuddin kamen dabei ums Leben. Tan Malaka wurde  später  im Februar 1949 von republikanischen Einheiten  gefangen genommen und hingerichtet.

 Auch wenn nun die republikanische Regierung demonstriert hatte, dass sie die PKI vernichten konnte  und viele PKI- Mitglieder de facto die Partei verließen, ließ man die PKI als wichtigen Mitstreiter der nationalen Revolution  bestehen. (In den folgenden Jahren erholte sich die PKI  unter neuen Führern und wurde bis zu ihrem Verbot 1965 mit 3,5 Millionen Genossen eine der mitgliederstärksten kommunistischen Parteien der Welt.)

 Aber ein ganz wichtiger internationaler Nebeneffekt der „Madiun-Affäre“  war, dass die USA nun feststellten, dass  die Republik Indonesien keine Bastion des Kommunismus war,  wie die Niederländer behaupteten und sie begannen Druck auf die Niederländer auszuüben, den Forderungen nach der Unabhängigkeit nachzukommen.


Die „ 2. Polizeiaktion“  (1948)

 Unmittelbar nach der Madiun-Affäre glaubten die Niederländer den Zeitpunkt gekommen, der wankenden Republik den Todesstoß zu versetzen und starteten die  sog.  “ 2. Polizeiaktion", die am 19. Dezember 1948 auch  die damalige Hauptstadt Yogyakarta erfasste und die Kontrolle über die verbliebenen Regionen der Republik bringen sollte.   Präsident Sukarno, Vizepräsident Hatta und andere republikanische Führer wurden verhaftet und nach der Insel Bangka in Nordsumatra verbracht. Die Republik errichtete eine Not-Regierung in West- Sumatra, die republikanischen Soldaten zogen sich als Guerilla-Kommandos in die Berge zurück.

 

 

Trotz des Einsatzes bis zu 180.000 niederländischer Soldaten und rücksichtsloser Militäreinsätze im ganzen Archipel, konnte der republikanische Widerstand gegen die Restauration der Kolonialherrschaft nicht gebrochen werden. Die Aktion war zum Scheitern verurteilt und verspielte den letzten Rest an Sympathie für die ehemaligen Kolonialherren. Die Lage der in ihre Häuser und Unternehmen zurückgekehrten holländischen Beamten und der Zivilbevölkerung in Stadt und Land wurde sehr prekär. Den Haag’s knallharte Politik hatte dazu noch eine starke internationale Reaktion zur Folge. Die Empörung war allgemein, nicht nur bei den neuen unabhängigen Ländern in Asien wie Indien, sondern auch unter den Mitgliedern des UN-Sicherheits-Rates, einschließlich der USA.

 Die  Konferenz von Den Haag (1949)

 Im Januar 1949 verabschiedete der Sicherheitsrat eine Resolution, in der die Wiederherstellung der republikanischen Regierung gefordert wurde. Die USA drohten mit der Einstellung der Marshall-Hilfe für die Niederlande. Die Holländer wurden gedrängt, den Indonesiern ab dem 1. Juli 1950 die vollständige Autorität im gesamten Archipel zu übertragen. Um die Art und Weise der Übertragung zu verhandeln, fand in Den Haag eine Round Table Konferenz  am 2. bis 23. November 1949 statt. Verhandelnde Parteien waren die Republik Indonesia, die Niederlande und die Vertreter der von den Holländern besetzten Gebiete Indonesiens.

Das Ergebnis der Konferenz war ein Abkommen, in dem  die Niederlande die RUSI als unabhängigen Staat anerkannten, dass alle niederländischen Streitkräfte abzuziehen seien und Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung abgehalten werden sollten. Aber zwei besonders schwierige Fragen verlangsamten die Verhandlungen: Der Status von West-Neuguinea, das unter niederländischer Kontrolle geblieben war und die Größe der Schulden Indonesiens an die Niederlande. Schlussendlich wurde ein Betrag von 4,3 Milliarden Gulden vereinbart. Die Souveränität wurde offiziell am 27. Dezember 1949 übertragen.

 RUSI - DieVereinigten Staaten von Indonesien (1950)

Die RUSI, ein schwerfälliges föderales Staaten-Gebilde, bestand aus sechzehn Territorien: der Republik Indonesien, bestehend aus Gebieten in Java und Sumatra mit einer Gesamtbevölkerung von 31 Millionen, und den von den Niederländern etablierten fünfzehn Staaten, von denen z.B.  Riau, eine Bevölkerung von nur 100.000 Einwohnern hatte. Die RUSI-Verfassung gab diesen Regionen ein Stimmgewicht in der Legislative der RUSI, das weit über den Anteil ihrer Bevölkerungen hinausging. Auf diese Weise hofften die Niederländer das Gewicht der dicht besiedelten republikanischen Gebiete zu unterlaufen und dadurch auch weiterhin politischen Einfluss ausüben zu können. Aber eine Bestimmung in der Verfassung gab dem Kabinett die Möglichkeit - mit Zustimmung des gesetzgebenden Unterhauses - Notstandsgesetze zu erlassen und so wurde der Weg  frei für die Auflösung der föderalen Struktur. Bis Mai 1950 hatten sich alle Bundesstaaten der Einheits-Republik Indonesien angeschlossen und als Hauptstadt Jakarta anerkannt.

Der Westerling-Putsch 1950

Dieser Konsolidierungsprozess  der Republik  wurde im Januar 1950 durch einen gescheiterten Staatsstreich in West-Java beschleunigt, der von Raymond Westerling im Verein mit fanatischen Muslimen und Deserteuren  angezettelt war. Westerling war ein Ex-Offizier der Königlich Niederländisch-Indien Armee (KNIL), der  als Kommandant eines berüchtigten Spezial-kommandos während der Unabhängigkeitskämpfe mit grausamen Guerilla-Methoden  die lokale Bevölkerung terrorisiert hatte.  Jakartas Truppen schlugen jedoch den Aufstand schnell nieder und die Republik dehnte im Februar 1950 ihre Kontrolle auf den West-Java-Staat Pasundan aus. Unter dem starken Druck aus Jakarta gaben in den folgenden Monaten fast alle anderen Staaten  ihren föderalen Status auf und schlossen sich der Republik Indonesia an.

 Die Republik Süd-Maluku (RMS)

 Nicht jedoch die Insel Ambon. Im April 1950 proklamierte  Ambon die Republik Maluku Selatan(RMS) als unabhängigen Staat.  Mit seiner mehrheitlich christlichen Bevölkerung und der langen Geschichte seiner Zusammenarbeit mit der holländischen Herrschaft (Ambonesische Soldaten waren ein unverzichtbarer Teil des kolonialen Militärs), war diese Region eine der wenigen mit erheblich pro-niederländischer Stimmung  in der  Bevölkerung. Die Republik Süd-Maluku wurde im November 1950 durch die Truppen Jakartas gewaltsam beendet, und im folgenden Jahr gingen ihre Anführer und rund 12.000 ambonesischen Soldaten mit ihren Familien ins Exil in die Niederlande. (Bis heute gibt es dort eine Exil-Regierung, die für ein unabhängiges Maluku eintritt.)

 Die Probleme zwischen der ehemaligen Kolonialmacht und der Republik waren natürlich nicht beseitigt. Der Status der ca. 200.000 zivilen „Kolonial-Niederländer“ war prekär. Obwohl die Republik ihnen das Bleiben anbot, - viele Familien lebten seit Generationen im Lande - sahen die meisten  für sich keine Zukunft mehr in einer Republik  Indonesia und kehrten zurück nach Holland. Der letzte Akt des postkolonialen Dramas kam 1957, als Sukarno einen rigorosen Nationalisierungskurs begann, per Dekret holländische Unternehmen verstaatlichte und wegen des West-Papua-Problems eine scharfe Anti-Holland-Kampagne startete: da mussten auch die ca. 40.000 verbliebenen Niederländer, die bis dahin noch auf eine gemeinsame Zukunft gehofft hatten, Indonesien verlassen.  West-Papua kam fünf Jahre später 1962 zur Republik Indonesia.

 K.S.  Dez. 2010

 

Lesetipp: Eine detailliertere Darstellung dieser Jahre findet sich in dem 2009 erschienenen Buch von Horst H. Geerken: „Der Ruf des Gecko“                          Indonesiens Holländische Vergangenheit (S. 132 ff,)                              http://www.gecko.horstgeerken.de/index.html

Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Indonesischer_Unabh%C3%A4ngigkeitskrieg